„Wege zur Freundschaft“

 

Wenn man losfährt und es sich anfühlt, als würde man zu einem Treffen mit langjährigen Freunden fahren…
… dann ist man unter Umständen auf dem Weg zu seinem zweiten „Ullihunde“ Seminar. So ging es mir vergangenen Samstag Morgen.

Aber vielleicht fange ich am Besten von vorne an…

Mein Podenco Bub Matteo ist ein ordentlicher Jäger. Ich erinnere mich noch genau an unsere Anfangszeiten. Es knackte im Gebüsch, manchmal wehte vielleicht auch einfach nur ein Düftchen durch die Luft, welches ich natürlich nicht wahrnehmen konnte, und schon hatte ich einen aus Frust kreischenden, unkontrollierbaren Hund am Ende der Schleppleine hängen. Mit einer Mischung aus Markersignal und Bauchgefühl hatte ich es mit viel Geduld irgendwann geschafft, dass der Bub händelbar wurde und sogar kurze Frequenzen im Wald ohne Leine laufen konnte. Darauf war ich natürlich stolz! Aber ich brauchte meine volle Konzentration, was für mich sehr anstrengend war. Eine weitere Nebenwirkung davon war, dass mein Chihuahua Barney sehr darunter litt, dass ich meine ganze Aufmerksamkeit Matteo schenkte und er dadurch zu kurz kam. Der Zwerg nahm sich bei den Spaziergängen sehr zurück, wich nicht mehr von meiner Seite und aus heutiger Sicht – traurig aber wahr – fühlte er sich wohl ungesehen. Ich bemerkte zwar sein verändertes Verhalten, wusste auch warum und gab ihm auch jedesmal eine Belohnung, wenn ich Matteo markerte, aber letztendlich konnte ich die Situation für Barney nicht verbessern.

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Aufgenommen auf dem Ullihunde Seminar im April

Letztes Jahr im November bin ich dann wieder einmal über den Namen Ulli Reichmann gestolpert und die Neugier hat endlich gesiegt. Ich bestellte das Buch „Wege zur Freundschaft… eine Liebeserklärung an jagende Hunde“ und verschlang es an nur zwei Tagen. Plötzlich hatte ich die Dinge, die ich bisher aus reiner Intuition gemacht habe, schwarz auf weiß in einem Buch stehen. Außerdem noch viel mehr Input, wie sich diese Sachen ausbauen lassen. Wie es sein kann, wenn man sich gänzlich auf Bauch und Herz verlässt! Natürlich musste ich mir auch noch das zweite Buch „Alltagswege zur Freundschaft“ bestellen. Auch dieses hat so einiges geweckt, was irgendwo tief in mir geschlummert hat.

Ich hab mich also auf den Weg der „Ullihunde“ eingelassen und binnen kürzester Zeit wurde für die Jungs und mich alles anders. Es wurde leichter, flüssiger, natürlicher. Plötzlich war mein Barney wieder der lustige, kleine Kobold, weil es für mich einfacher war, mit der Ulli Philosophie beiden Jungs, die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Matteo wollte zusammen mit mir Spuren erforschen, fing an, mir Wildwechsel zu zeigen, sah mich als Partner und nicht mehr als das lästige Übel, welches am Leinenende hängt.

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Emma und mein Mann auf den „Wegen zur Freundschaft“ – Riedberger Horn

Es wäre zu viel, jedes Detail was sich änderte aufzuzählen, aber ein Aha-Erlebnis möchte ich mit euch teilen: wir drei waren auf einem Waldweg unterwegs. Barney und Matteo ohne Leine und dennoch in ständigem Kontakt zu mir. Der Weg machte eine Kurve, ich war kurz abgelenkt und schwupps war mein kleiner Podenco auch schon außer Sicht. Ich bekam kurz Bauchgrummeln und zerrte meine Pfeife aus der Tasche, um den hart antrainierten Rückruf anzuwenden. Noch bevor ich die Pfeife an den Mund ansetzte, tauchte um die Kurve der Kopf von Matteo auf und schaute mich an. In seinen Augen ganz klar die Frage „Hey kommst du?“. Mit einer kleinen Geste lud ich ihn ein zu mir zukommen und zack stand er auch schon da. Tatsächlich habe ich seit diesem Moment, nie wieder die Pfeife für meinen Rückruf gebraucht. Wir bleiben dauerhaft in Verbindung und sollte diese, aus welchen Gründen auch immer abbrechen, kann ich mich darauf verlassen, dass der Bub sich bei mir erkundigt, was los ist.

Aufgenommen auf dem Ullihunde Seminar im April

Im April war es dann auch endlich soweit und ich fuhr zusammen mit den Jungs zu meinem ersten „Ullihunde“ Seminar. Ich war aufgeregt, nervös, hatte sogar ein wenig Angst. Ich kannte keinen Teilnehmer persönlich, geschweige denn die Trainerinnen und wohnte zum ersten Mal mit den Jungs im Hotel. Meine Hoffnung war, dass ich am Ende des Seminars weiß, wie ich den Matteo noch besser verstehen und mich selbst verständlicher für den Bub ausdrücken kann. Ich bekam so viel mehr! Es ist schwer zu beschreiben, schier unmöglich, denn es gibt keine Anleitung und kein Step-by-Step-Training. Jedes Mensch-Hund-Team bekam Zeit und Raum, um sich entfalten zu können, bekam die Hilfestellung, die nötig war und gestaltete somit die Richtung und die Themen des Seminars mit. Es war ein Wochenende voller Emotionen. Ich traf völlig fremde Menschen, die sich in kürzester Zeit in Vertraute verwandelten, einfach nur bzw. gerade deswegen, weil uns alle die gleichen Werte im Bezug zu unseren vierbeinigen Familienmitgliedern verbanden. Sonntag Abend fuhr ich total aufgewühlt nach Hause. Einerseits weil mich Erkenntnisse getroffen haben, die schockierend, gleichzeitig aber auch positiv waren. Andererseits weil ich noch gar nicht fahren wollte und noch gerne länger Zeit mit diesen Menschen und ihren Hunden verbracht hätte.

Es mag sich sicher für manch einen befremdlich anhören, was ich hier geschrieben habe. Man muss es erlebt haben, um richtig nachvollziehen zu können, was auf diesem Seminar passiert ist, warum es mich emotional so sehr mitgenommen hat. Deswegen, falls ich eure Neugierde geweckt habe, schaut euch die Ullihunde Seite an (Link siehe nächstes Foto). Dort findet ihr die Bücher, die Ullihunde Trainerinnen, bekommt Infos zu anstehenden Seminaren und vieles mehr.

Die Ulli Reichmann Bücher – Klickt auf das Bild und ihr kommt direkt zur Ullihunde Homepage!

Die Bücher dürfen meiner Meinung nach in keinem Haushalt mit Hund fehlen, ganz gleich ob man sich straight für den Ulli-Weg oder für einen anderen positiven Trainingsweg entscheidet – für mich gibt Ulli Reichmann darin die Wertschätzung wieder, die alle Hunde verdient haben!

Und somit sind wir wieder am Anfang…

Samstag Morgen, fuhr ich zu einem Treffen mit langjährigen Freunden… Zumindest fühlte es sich so an!

Es war wieder ein unvergessliches Wochenende mit Mensch-Hund-Teams, die schnell zu Vertrauten wurden. Mit tollen Trainerinnen, die sich überhaupt nicht mehr fremd angefühlt haben. Es war genau so lehrreich und informativ, wie das Seminar im April und doch ganz anders, weil eben die einzelnen Teams das Programm individuell gestalteten. Es war wieder „schrecklich-schön“ emotional!

Ein Faktor, der dieses Mal ganz anders war – mir fiel es nicht schwer nach Hause zu fahren, einfach aus dem Grund, weil ich weiß, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort treffe ich alle wieder!

„Wege zur Freundschaft“
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