Aus 2 mach 3 – Mehrhundehaltung

Matteo, Emma und Barney – ein halbes Jahr später ist es so, als ob die Drei schon immer miteinander leben.

 

Bevor ich meinen persönlichen Erfahrungsbericht beginne, kurz und knackig:

 

„Wir sollten immer im Hinterkopf behalten, dass wir Menschen uns bewusst für ein weiteres Familienmitglied entscheiden können. Diese Freiheit haben unsere Hunde aber nicht! Sie müssen sich mit unseren Entscheidungen arrangieren! Deswegen müssen wir solche Situationen so fair und freundlich wie möglich gestalten!“

 

 

Wir haben uns sehr lange mit dem Gedanken, einen dritten Hund zu adoptieren, beschäftigt. Vor allem für mich war das ein Herzenswunsch. Warum? Weil unsere Vierbeiner unser Leben bereichern! Jeder hat seinen eigenen Charakter und das Gefühl, dass noch Platz für ein weiteres Seelchen in unserer Familie ist, war groß!

 

Bei allen romantischen Gedanken die wir Menschen hatten, durften wir aber nicht vergessen, dass es für uns zwar ein Bedürfnis ist, für unsere Jungs, die mittlerweile ein eingespieltes Zweier-Team waren, aber immense Veränderungen bedeuten würden.

 

Bestimmte Kriterien sollte unser neues Familienmitglied zu Gunsten von Barney und Matteo also erfüllen. Wir wollten einen Hund, der aus dem Tierschutz ist. Wichtig für uns war, dass dieser in einem Tierheim oder auf einer Pflegestelle lebt, welche von uns aus gut erreichbar ist, so dass wir die Möglichkeit hätten, die drei Hunde langsam und mit mehreren Treffen aneinander zu gewöhnen.

 

Tag X kam und wir bekamen ein Foto von unserer Emma. Es war sehr schnell klar, dass genau dieses Mädel zu uns gehört. Sie lebte zwar noch in Spanien, sollte aber in wenigen Wochen nach Deutschland auf eine Pflegestelle kommen, die ganz in unserer Nähe lag.

 

Wir nutzten die Zeit bis zu ihrer Ankunft, um Managementmaßnahmen umzusetzen. Im Haus platzierten wir Kinderschutzgitter, die Barney und Matteo bereits von meiner Schwangerschaft in Vorbereitung der „Krabbelkinder-Phase“ kannten und zu schätzen wussten, um allen Vierbeinern einen gesicherten Ruheplatz geben zu können. Wochenlang war es für uns Menschen wieder ein Hürdenlauf durchs Haus, aber wir wollten vermeiden, dass die Jungs die Gitter mit dem Einzug von der Emma verbinden würden. Zusätzliche Schlafplätze wurden eingerichtet und mehr Wassernäpfe aufgestellt.

 

Während all der Zeit bekamen wir täglich Nachrichten aus Spanien und die Sicherheit, dass Emma perfekt zu uns passt, wuchs und wuchs. Letztendlich wurden wir von Emmas Pflegefraule gefragt, ob wir die Maus nicht direkt vom Flughafen abholen möchten. Auch wir hatten über diese Möglichkeit schon gesprochen, dass es für Emma vermutlich stressfreier sein würde, als wenn sie erst auf die Pflegestelle kommt und dann wieder umziehen muss.

 

Es war eine reine Bauchentscheidung und tatsächlich würde ich das so generell niemandem empfehlen, aber nach langem Überlegen holten wir die Emma direkt vom Flughafen ab.

 

Es war mitten in der Nacht und wir entschieden bereits im Voraus, dass sich die drei erst am nächsten Tag kennenlernen sollten. Mein Mann blieb mit der Emma im Erdgeschoss im Wohnzimmer, während ich im ersten Stock im Schlafzimmer die Nacht mit den Jungs verbrachte.

 

Das erste Aufeinandertreffen fand dann außerhalb unseres Hauses und Grundstücks statt und lief in Form eines kleinen „DOG MEETS DOG“  total unspektakulär ab. Obwohl die Jungs bei fremden Hunden durchaus mal zickig sein können, waren sie zu Emma sehr freundlich und bald konnten wir gemeinsam in unseren Garten.

 

Schnell wurde aber auch klar, dass manche Dinge, gerade für den Barney, schwer zu teilen waren. Futter und Leckerli waren das kleinste Thema. Es gab einfach von allem in Überschuss. Das größere Thema waren Komfortzonen (Bsp. Sofa u. Schlafzimmer) und ich. Barney machte der Emma sehr deutlich klar, dass sie nicht aufs Sofa darf und sich möglichst weit weg von „seinem Fraule“ aufhalten sollte. Hätte ich den Bub deswegen geschumpfen, hätte er die Emma vermutlich erst richtig doof gefunden. Also bekam er auch hier einfach mehr – mehr Aufmerksamkeit von mir, mehr kuscheln auf dem Sofa! Sein Bellen und Knurren wurde freundlich und verständnisvoll unterbrochen und jegliches ruhiges Verhalten seinerseits gefeiert.

 

 

Durch Verständnis, viel Lob und Überschuss aller Ressourcen konnten Barney und Emma, trotz anfänglicher Skepsis, sehr schnell Freunde werden!

 

Um unseren drei Fellnasen zwischen drin Ruhephasen zu gönnen, verbrachten wir drei Nächte weiterhin getrennt und tagsüber halfen die Kinderschutzgitter.

 

Gemeinsame Spaziergänge, mit wenig Strecke, dafür umso mehr erkunden in Form von Schnüffeln und schauen, brachten bald einen gewissen Team-Spirit. Diese ruhigen Erlebnisse und die Gewissheit für meine Jungs, dass alle Ressourcen dank der Emma nicht knapper, sondern im Überschuss zur Verfügung stehen brachten uns nach wenigen Tagen soweit, dass wir die Schutzgitter abbauen konnten. Nach einer Woche durfte die Emma ohne Kommentar vom Barney aufs Sofa hüpfen. Eine weitere Woche und auch im Schlafzimmer konnte sich die Emma nun frei bewegen. Die Ressource „Fraule“ (also ich) stand etwas länger im Raum. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr genau wie lange, aber auf jeden Fall war es nach dem ersten Monat auch kein großes Ding mehr.

 

Heute, fast ein halbes Jahr später, ist es so, als ob unsere Drei schon immer miteinander leben. Und unsere menschliche, romantische Vorstellung, dass eine weitere Fellnase das Leben von uns allen bereichern würde, ging voll auf!

 

 

Dieses Bild entstand ca. acht Wochen nach Emmas Einzug – ich bin immer noch überrascht, wie schnell und unkompliziert die kleine Dame einen Platz in den Herzen unserer Jungs gefunden hat.

 

 

Kurzes Fazit was uns bei Emmas Einzug half:

 

  • Ängste wahrnehmen und vor allem ernst nehmen (Thema Ressourcen werden knapper).
  • Aggression nicht unterdrücken wollen, sondern Verständnis zeigen und Lösungen finden.
  • Gemeinsam Dinge erleben (schnüffeln, beobachten etc.).
  • Ruhe, Ruhe, Ruhe!

 

 

Und zum Schluss nochmal meine Eingangsworte, weil diese für mich die wichtigsten Aussagen bzgl. der Mehrhundehaltung beeinhalten:

 

„Wir sollten immer im Hinterkopf behalten, dass wir Menschen uns bewusst für ein weiteres Familienmitglied entscheiden können. Diese Freiheit haben unsere Hunde aber nicht! Sie müssen sich mit unseren Entscheidungen arrangieren! Deswegen müssen wir solche Situationen so fair und freundlich wie möglich gestalten! Hier Druck auszuüben, ist meiner Meinung nach für die Hund-Mensch-Beziehung, wie auch für die Hund-Hund-Beziehung fatal!“

 

 

 

 

Aus 2 mach 3 – Mehrhundehaltung

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